Donnerstag, 10. Januar 2013

Sozialzwang

Heute wäre ich am Liebsten mal wieder schreiend aus der Mensa gelaufen. Diesmal allerdings nicht wegen des Essens -- ich war ja an der Salat- und Nudelbar (und dort gab es Maultaschen :)). Sondern mehr weil mir erneut deutlich wurde, was für einen starken und nervigen Zwang ich mir durch die Uni angeeignet habe. Kaum eine Person interessiert es, aber ich meinte ja meine sozialen Kompetenzen zu verbessern indem ich mich darin trainiere Konversationen aufrecht zu erhalten. Ein anderer nicht zu verachtender Faktor war wohl, dass man immer dazu angehalten wird während einer Prüfung irgendwas zu sagen, auch wenn man sich nicht sicher ist, ob es richtig ist. Jedenfalls besser als nichts zu sagen -- mal abgesehen davon, dass beidseitige Redepausen in einer Prüfung besonders unangenehm sind.
In die gleich Kategorie gehört der Smalltalk beim Essen. Wahrscheinlich die Mehrzahl der Menschen ist der Meinung, dass Essen ein Gesellschaftsakt ist und man dieses daher weder alleine, noch still tun sollte. Meine Meinung ist dazu etwa 180 ° phasenverschoben (sorry, musste ich so ausdrücken). Ich esse am Liebsten alleine, um meine Ruhe zu haben. Reden nervt mich dabei eigentlich nur. Aber falls man mal nicht alleine isst, bleibt die Frage wo man dann die ganze Zeit hinguckt. Auf den Teller starren ist blöd und nichts sagen wenn sich die Blicke kreuzen ist auch komisch. Alles andere sieht aus als wollte man den anderen ausblenden, was allerdings im Grunde auch so ist.
Also heißt die Devise: Konfrontation. Immer drauf los und einfach mal ein Thema anschlagen. Manche Themen gehen ja immer, wie Uni, Arbeit, Spiele, Filme. Mit etwas Glück hat man auch ein wenig Ahnung von den Hobbies und Vorlieben des Konversationspartners.
Anfangs war meine "Motivation" immer der Gedanke es sei nicht fair den Essenspartnern gegenüber, wenn ich mich so abkapsle. Naja und oft wurde eh ein Gespräch angefangen.
Und mittlerweile ist es so drin, dass ich heute sogar den Drang hatte mit einer wildfremden Person, die ich zuvor nie gesehen hatte und sich wohl nur an meinen Tisch (nach den Hund'schen Regeln natürlich) setzte, weil kein anderer Platz in der Nähe frei war, zu reden. Ich konnte mich gerade noch davon abhalten, unter anderem weil es vielleicht etwas komisch geklungen hätte nach der Arbeit/Position und anderen persönlichen Sachen zu fragen.
Genauso wenig ertrage ich es neben Personen zu laufen ohne das einer was sagt. Auch wenn ich mit der Person sonst nie wirklich was zu tun hatte -- nur weil wir gerade den gleichen Weg und die gleiche Geschwindigkeit haben.
Und dann kommen manchmal zudem so unsinnige Gespräche bei heraus, die man besser überhaupt erwähnt hätte.
Manchmal geht mir das ganz schön auf den Keks.
Und damit: Gute Nacht

(PS: Im gleichen Zug habe ich mir auch angewöhnt zu labern. Früher hätte ich diesen Beitrag in zwei Sätzen schreiben können, jetzt braucht er fast ne Seite :/.)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen